Hallo ihr lieben!
Ich habe unglaublich viel zu eraehlen und weiss gar nicht wie ich das jetzt alles noch schaffen soll, denn sobald ich mich an den PC setzte rennt mir die Zeit weg und meine Augen fallen gleich zu!!!
Ich habe mich inzwischen schon ziemlich gut eingelebt und mich an den Alltag hier gewoehnt. Die Sachen, die am Anfang super komisch fuer mich waren, sind jetzt schon fast normal und ich weiss gar nicht mehr, wie sich eine warme Dusche anfuehlt oder wie ein Essen ohne Reis schmeckt!
Eigentlich habe ich in der letzten Woche nicht so unglaublich viel gemacht, aber trotzdem koennte ich stundenlang erzaehlen.
Ich bin immernoch vollkommen arbeitslos. Inzwischen kenne ich hier alle Einrichtungen der Salesianer und der Schwestern und es ist einfach alles absolut ausgestorben. Es sind eben Ferien und das wird auch noch fast 4 Monate lang so bleiben. Meine Einzige Hoffnung ist ein Ferienprogramm, ueber das hier ab naechst Woche nachgedacht wird.
Also habe ich die letzte Woche hauptsaechlich damit verbracht zu schlafen, durchs Dorf zu spazieren und Leute zu gruessen, Leuten meine Hilfe anzubieten und sie dadurch nur zu stoeren und Tetum zu lernen. Und einen Tag war ich dann unterwegs, davon werde ich jetzt erzaehlen, denn das war wirklich eine super spannende Sache!
Ich bin mit ein paar Bruedern und Father Agapito in ein Dorf, was auf der Landkarte gar nicht so weit entfernt aussieht, aber dann doch nicht wirklich in der Naehe ist, weil es auf einem anderen Berg ist, gefahren, um da an der Priesterweihungszeremonie eines Salesianers (ich bin mir nicht sicher, ob man das auf Deutsch so sagt, aber ihr versteht bestimmt, was ich meine) gefahren.
Das fing damit an, dass wir um 6:30 h hier losgefahren sind, obwohl ich mich erstaunlich schnell daran gewoehnt habe jeden Tag so um die Zeit aufzustehen, war ich doch noch etwas verpeilt und habe vergessen mich mit Sonnencreme einzucremen oder zumindest meinen Hut mitzunehmen, was sich im Nachhinein als seeehr schlechte Idee erwiesen hat!
Auf jeden Fall sind wir in dem Jeep losgefahren und ich hab mich noch sehr gewundert, warum wir so frueh losmussten. Aber nachdem wir ungefaehr 1 1/2 Stunden unterwegs waren find das Auto an zu streiken. Sowas muss man hier anscheind mit einkalkulieren. Auf jeden Fall ist der Motor dauernd ausgegangen und irgendwas musste gepumpt werden oder was weiss ich was. Am Anfang war das alle 10 Minuten, dann alle 5 Minuten und am Ende sind wir gar nicht mehr vorangekommen. Jedes Mal standen ein Haufen Typen rund um die Motorhaube und keiner hatte Ahnung. Um 20 vor 10 (und 10h sollte die Messe anfangen) wurde dann beschlossen, dass das keinen Sinn mehr hatte, die Leute aus Venilale wurden angerufen, damit sie jemanden schicken, der das Auto repariert und wir sind auf die Ladeflaeche eines vorbeifahrenden LKWs geklettert, auf dem schon ca. 20 andere waren, die auch zu der Feier wollten. Das war total super! Von da oben war der Ausblick einfach wunderbar und ich hab mich nicht mehr so stark als Gast gefuehlt, wie wenn ich immer vorne sitzen soll, wo es bequem ist und alle anderen sich hinten auf die harten Baenke quetschen.
Wir waren gerade noch rechtzeitig und die Messe war wirklich sehr schoen. Mit traditionellen Taenzen, Kleidern und Gesaengen. Ich habe zwar fast nichts verstanden und das ganze ging laenger als 2 Stunden, aber es war trotzdem ganz nett. Leider sassen wir aber direkt in der Sonne und es war waaaarm und die Sonne war intensiiiiiv! Und ausserdem hat meine Kamerea den Geist aufgegeben, was mich natuerlich seeehr geaergert hat, aber dafuer ist schon eine Uebergangsloesung gefunden, also das nur am Rande. Als die Messe fertig war gab es fuer alle Anwesenden Mittagessen. Es ist schwer zu schaetzen, wieviele Leute da waren, ich tippe auf 500, koennen aber auch 300 oder 700 gewesen sein. Davor mussten wir dann aber erst mal noch eine gute Stunde waren (im Halbschatten unter einem Dach aus Palmenblaettern) und dann vier Reden anhoeren. Das Essen war wie jedes Fruehstueck, Mittagessen und Abendessen hier: Reis mit Gemuese und ein bisschen Fleisch.
Nach dem Essen gab es noch Tanzvorfuehrungen, die wir uns aber nicht mehr angesehen haben, weil es inzwischen nach 3 Uhr war und wir ja noch einen recht langen Heimweg vor uns hatten. Eigentlich fand ich das schade, aber ich war froh ein bisschen aus der Sonne rauszukommen, weil es mir langsam nicht mehr wirklich gut ging. Einer der anderen Fathers, der da war hatte angeboten und bis zu unserem Jeep, der inzwischen repariert war, mitzunehmen, nur leider wollte der Motor nicht mehr anspringen. Nach viel geschiebe und geredet sind wir dann mal wieder auf einen LKW geklettert und wenn die Sonne nicht gewesen waere, waere auch diese Fahrt wieder zu einem super schoenen Erlebnis geworden! Ich habe mich sehr gut mit den anderne Leuten unterhalten (ein paar konnten ein bisschen Englisch). So gegen 18:30 waren wir dann wieder in Venilale. Ich liebe Autofahren hier. Man hat die ganze Zeit etwas zu gucken: Reisfelder, Doerfer, Frauen mit Riessaecken und Koerben auf dem Kopf ... echt total schooooen!!! :)
Die Erinnerung an den Tag war ein mega sonnenbrand, der dazu gefuehrt hat, dass ich nicht nur angestarrt wurde, weil ich weiss bin, sondern ausgelacht wurde, weil ich KNALLrot war. Naja, ich hab den ganzen Sonntag nur zur Messe und zum Essen mein Zimmer verlassen und war sonst gut damit beschaeftigt mit alle 5 Minuten einzucremen und mein Gesicht zu kuehlen und das Ergebnis laesst sich sehen: Ich bin total braun geworden :) Also "total" fuer meine Verhaeltnisse.
Diese Woche ist hier in Venilale die Feier des "Krus jovem" was soviel heisst wie Kreuz der Jugendlichen. Es ist seit 18 Jahren die Tradition, dass dieses Kreuz jedes Jahr in eine andere Gemeinde wandert. Dieses Jahr war es hier und wird jetzt mit dieser Feier abgeholt. Dafuer wurde hier alles auf Hochglanz gebracht und jetzt sind hier jede Menge Jugendliche, was super ist, weil ich zumindest ein bisschen was machen kann. Das Programm besteht hauptsaechlich aus Vortraegen, also verbringe ich den Grossteil des Tages unter einem Palmblaetterdach auf einem Plastikstuhl und lausche stundenlangen Vortraegen, von denen ich ziemlich wenig verstehe. Aber immerhin besser, als alleine auf meinem Zimmer zu hocken. Zwischendurch unterhalte ich mich immer mit anderen Leuten, das ist echt nett, obwohl wir meist nicht weiterkommen als: Wie heisst du? Woher kommst du? Was machst du hier? Wielang bleibst du? Dann hoeren die Englischkenntnisse der Jugendlichen und meine Tetumkenntnisse auf. Aber immerhin...
Ein anderer Vorteil dieses Events ist, dass ich nicht mehr die einzige "Malae" (Auslaenderin) hier bin. Normalerweise wenn ich hier langlaufe rufen die Kinder mir immer hinterher "Malae, Malae!!!". Das ist zwar irgendwie komisch, aber es ist ja im Prinzip ueberhaupt nicht boese gemeint oder so und die Kinder finden es dann total toll, wenn ich mich umdrehe und ihnen zuwinke und wenn sie in der naehe sind ich sie frage, wie es ihnen geht.
Ich musste bei mir selbst mit Schmunzeln feststellen, dass ich die anderen "Weissen" genauso fasziniert anstarre, wie die Osttimoresen. Wahrscheinlich aus anderen Gruenden, aber man faellt einfach auf!
Ja, soviel zu dem was ich erlebt habe. Ich koennte noch viel viel mehr erzaehlen, aber ich moechte noch versuchen ein paar Fotos hochzuladen.
Vielleicht noch kurz zu meinem Alltag hier. An Sachen wie kein Strom und kein fliessendes Wasser habe ich mich jetzt schon total gewoehnt, man wird eben ein bisschen kreativer was das waschen etc angeht und stellt sich darauf ein, dass man alles was mit Strom zu tun hat nur Abends erledigen kann. Mit dem Essen habe ich im Prinzip auch kein Problem. Es gibt eben 3 mal am Tag Reis mit Gemuese, eigentlich schmeckt alles mehr oder weniger gleich und ich probiere einfach alles, was auf dem Tisch steht. Normalerweise ist es immer das gleiche, aber manchmal kommt noch irgendeine andere Gemuesesorte dazu. Auf die Banane zum Nachtisch (nach jedem Essen ausser dem Fruehstueck) moechte ich nicht verzichten! Die sind echt super hier!!! Mein Magen findet das Essen hier noch nicht sooo toll, der beschwert sich hin und wieder, aber er hat keine Wahl, auch er wird sich dran gewoehnen muessen!
Mein Englisch reicht nachwievor fuer alles. Ich werde immer wieder gefragt, ob man in Deutschland Englisch spricht, oder woher ich das sonst so gut kann. Da muss ich immer ein bisschen schmunzeln. Mein Tetum ist noch nicht so richtig weit fortgeschritten, aber ich lernen sehr fleissig und auch wenn ich noch nicht so viel reden kann verstehe ich doch schon deutlich mehr als noch vor ein paar Tagen. Tetum zu sprechen ist doch schwerer als ich dachte, es gibt einfach super viele kleine Woerter, die sich alle aehnlich anhoeren und aus denen mal dann was zusammenbauen muss, was auf Deutsch einfach ein Wort ist. Aber ich krieg das schon noch hin. Die Auslaender, die ich getroffen habe (eigentlich gibt es hier nur Australier) meinten nach 3 Monaten waeren sie schon echt fit gewesen...
Was auch noch witzig ist, ist wie die Leute hier mein Alter einschaetzen. Die denken alle ich waere Ende 20 oder so. Sie sind dann total erstaunt, wenn ich ihnen erzaehle, dass ich erst 19 bin. Aber mir geht es im Prinzip genauso, ich finde es total schwer das Alter der Jugendlichen hier einzuschaetzen. Bei den meisten hier koennte man mir erzaehlen, dass die 16 oder 26 sind, ich wuerde beides glauben!
Ok, ich mache jetzt Schluss und probier das mit den Fotos mal!
Ansonsten denke ich dass ich naechste Woche das naechste Mal schreiben werde, vielleicht weiss ich ja dann irgendwann mal, ob ich hier vor Januar noch was zu tun bekomme. :P
Ganz liebe Gruesse an euch alle!
Machts gut und vergesst mich nicht! Ich freue mich riesig ueber mails und Kommentare!!!
Atelogu,
Kyara
Mittwoch, 9. September 2009
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Hallo Kyara,
AntwortenLöschengerade habe ich deine beiden letzten Berichte gelesen. Es ist einfach schön, dass du unws an deinem großen und aufregendem Erlebnis teilnehmen lässt. Ich glaube, alle die deine Berichte lesen, sind dabei so aufgeregt wie ich. Ich habe gerade bemerkt, dass mein Puls schneller schlägt. Wir möchten noch viel von dir lesen!!!!
Ich habe heute in meinem Internetcafe von deinem Abenteuer erzählt und den Leuten natürlich mit Google-Earth gezeigt wo du bist. Da gibt es nur Erstaunen und die Leute bewundern deinen Mut.
Natürlich zeige ich auch das Bild eurer schönen, bunten Schule. Das vermutet dort doch niemand.
In der Schinkelstraße gibt es große Fortschritte und bald wird das Leben einen normalen Verlauf nehmen.
Wir freuen uns auf weitere Berichte von dir und grüßen dich ganz, ganz herzlich Omi und Opa
Kyara, mein Schatz,
AntwortenLöschenendlich bin ich dazu gekommen, Deinen Bericht zu lesen. Wenngleich ich natürlich schon ganz gerne sähe, dass Du Deine Haut nicht verkogelst, so hört sich doch sonst alles ganz gut an.
Jetzt bin ich gespannt, was das Ferienangebot für Dich an Beschäftigung bringt. Ansonsten wirst Du was anderes finden. Je mehr Du Dich unterhalten kannst, desto eher werden sich auch Aktivitäten auftun.
Bleib gesund und berichte bald wieder!
Ganz viele Kuesschen
Mami